Kraut oder Unkraut?
Die Bezeichnung „Kraut“ stammt ursprünglich aus dem althochdeutschen Sprachgebrauch („krut“) und bezeichnet ein sogenanntes „nutzbares Gewächs“, also eine Pflanze der ein entsprechender Nutzen nachgesagt wird. Zumeist werden darunter Pflanzen verstanden, deren oberirdische Pflanzenteile nicht verholzen. Im Pflanzenbau finden wir zusätzlich die „Staude“, für nicht verholzende, aber grobfaserige krautige Pflanzen.
Interessant ist hierbei sicherlich der Vergleich mit der gegenteiligen Bezeichnung „Unkraut“. Meiner Meinung nach ist diese Bezeichnung sehr verwirrend und irreführend, da für den Gärtner, der gezielt etwas in seinen Beeten anpflanzt auch Pflanzen Unkraut sind, die sowohl ein Küchen- als auch ein Heilkraut sein können, im Beet jedoch den gezielten Anbau stören.
Einige heute als Nutzpflanzen bekannte Kulturformen wie Rübe, Feldsalat oder Roggen, waren zu früheren Zeiten Unkräuter, wohingegen eine Reihe von Unkräutern auf heutigen Feldern auch als Heilkräuter bekannt sind (Kamille, Ackerschachtelhalm u.a.).
Von diesem Gesichtspunkt aus hat für mich die Bezeichnung „Unkraut“ somit einen sehr merkwürdigen Beigeschmack, weshalb ich ihn gerne außen vor lasse. Lieber möchte ich andere Unterscheidungsbezeichnungen verwenden wie Küchenkräuter, Heilkräuter und Wildkräuter.
Vorher möchte ich jedoch noch einige Bezeichnungen versuchen zu klären, die umgangssprachlich zwar verbreitet sind, von denen jedoch viele nicht genau wissen, was dies bedeutet.
Kräuter werden unterschieden in ausdauernde Pflanzen, auch als mehrjährig bezeichnet, sowie ein- oder zweijährige Pflanzen.
Bei mehrjährige Pflanzen stirbt im Winter der obere Pflanzenbereich ab und treibt im Frühjahr neu (z.B. Salbei). Einjährige Pflanzen hingegen bilden sich aus Samen, gedeihen und blühen, um nach der Blüte mit der Fruchtbildung Fruchtbildung (Samenreife) ab zu sterben - Sie entwickeln sich innerhalb eines Jahreszyklusses. Hierfür finden wir bei Ringelblumen und Kapuzinerkresse gute Beispiele. Zweijährige Pflanzen brauchen einen längeren Zeitraum, zumeist auch eine Kälteperiode, um ihren Entwicklungszyklus abzuschließen. Unter diese finden wir beispielsweise auch im Bereich von Kümmel und Fenchel (auch als Gemüse).
Küchenkräuter & Gewürze
Von Küchenkräutern wird in der Regel geredet, wenn von einem Kraut frische oder getrocknete Blätter, Blüten oder die ganze Pflanze zum Würzen von Speisen verwendet werden. Der Unterschied zum Gewürz liegt im benutzten Pflanzenteil. Das Gewürz wird aus Samen, Rinden, Früchten oder Wurzeln hergestellt und soll vordergründig den Geschmack oder die Bekömmlichkeit verbessern – nach dieser allgemeinen Definition finden wir in diesem Bereich auch das Salz, obwohl es nicht pflanzlich ist und weder von der botanischen Seite als auch in der Küche definitiv NICHT zu den Gewürzen gehört.
Beispiele für Küchenkräuter: Basilikum, Dill, Thymian, Oregano, Kapuzinerkresse, Fenchel, Kerbel, Estragon, Petersilie, Schnittlauch
Beispiele für Gewürze: Muskat (Frucht / Nuss), Zimt (Rinde), Anis, Koriander, Kardamom, Vanille, Safran (Samenfäden), Ingwer (Wurzel), Chili
Heilkräuter
Zu den Heilkräutern werden all jene Pflanzen gezählt, aus denen aufgrund ihrer Wirkstoffe medizinischer Nutzen gezogen werden kann. Heute werden jedoch viele frühere Heilkräuter nicht mehr direkt in diese Sparte eingeteilt, sondern je nach heutiger Nutzung zu den Gewürzkräutern oder auch zu den Genussmitteln gezählt (z.B. Tee, Kaffee, Tabak).
Die Tatsache, Heilkräuter „natürliche“ Stoffe sind, darf jedoch niemals zu dem Irrglauben verleiten, dass sie deswegen „harmlos“ seien. Gerade in diesem Bereich sollten Sie stets einen Apotheker, Heilpraktiker oder einen Arzt befragen, da die natürlichen Inhaltsstoffe von Pflanzen stets sehr komplex sind und somit Nebenwirkungen und Wechselwirkung sowie Allergien auslösen können. Bedenken Sie hierbei bitte: Auf einem Medikament müssen ALLE Inhaltsstoffe draufstehen, damit sie sich entsprechend auch vor Allergien schützen können... Heilkräuter haben keine Packungsbeilage ;-)
Beispiele für Heilkräuter: Kamille, Johanniskraut, Brennessel, Brombeerblätter, Pfefferminze
Wildkräuter
Zu guter Letzt möchte ich hier noch die Wildkräuter erwähnen. Zu diesen werden grundsätzlich alle Kräuter gezählt, die nicht kultiviert wachsen, zum Verzehr geeignet sind (häufig auch als Wildgemüse zubereitet werden, wie beispielsweise der Brennessel-Spinat) und in der regionalen Flora heimisch sind.
Beispiele für Wildkräuter sind: Brennessel, Bärlauch, Kamille, Schafgarbe, Sauerampfer, Löwenzahn
Wie Sie sicherlich bereits bemerkt haben, überschneiden sich die Einteilungen in die verschiedenen Sparten – und das ist auch gut so. Jedes kleine Kraut ist ein Individualist und hat von der Natur seinen Platz in unserer Welt bekommen, jedes mit seinen Aufgaben und ein jedes hat dafür unsere Beachtung verdient.
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